02.08.10 Rhein-Lahn-Zeitung

Erschienen am 02.08.2010 in der Rhein-Lahn-Zeitung (Text und Foto: Herr Thorsten Stötzer)

Wiedergabe des Presseartikels:

 

Vertrauen bis nach dem Tod

 

Stefan Mross hat sich als selbstständiger Testamentsvollstrecker einen Nebenberuf aufgebaut

 

Wer weiß, dass er bald Abschied nehmen muss, ist froh, wenn es Menschen gibt, zu denen man Vertrauen haben kann. Auch über den Tod hinaus. Ein solcher Mensch ist Stefan Mross.

 

Lahnstein. Zwei Laptops stehen bei Stefan Mross zu Hause auf dem Schreibtisch. Einer ist für private Zwecke reserviert und der andere für seinen Nebenjob. Mit den beiden Telefonen daneben hält er es genauso. Der 41-Jährige hat längst nicht an jedem Tag Feierabend, wenn er von seinem Arbeitsplatz in einem Notariat in seine Wohnung in die Mittelstraße heimkehrt.

 

Sein Nebenberuf als Testamentsvollstrecker nimmt ihn dann oft in Anspruch. Wie Mross sagt, ist er vermutlich der Einzige im Rhein-Lahn-Kreis, der diese Aufgabe als Selbstständiger ausübt, sonst seien Rechtsanwälte und Steuerberater auf diesem Gebiet tätig.

 

Der Lahnsteiner ist kein studierter Jurist, darf keine Rechtsberatungen leisten und legt großen Wert auf strikte Trennung zwischen Haupt- und Zweitjob.

 

Deshalb befindet sich auf seiner Homepage kein Hinweis auf seinen Arbeitgeber. Seriosität ist also ein wesentliches Merkmal in seinem Geschäft. Mross selbst spricht noch häufiger von Vertrauen, denn er vollzieht den letzten Willen von Menschen, die ihn in ihrem Testament als Vollstrecker eingesetzt haben. Damit verbunden sind eine gewisse "Machtbefugnis" und langfristige Perspektiven. Schließlich kann es Jahrzehnte dauern, bis ein aufgesetztes Testament durch den Tod des Erblassers Relevanz erlangt.

 

Häufig wendeten sich kinderlose Menschen an einen Testamentsvollstrecker, berichtet Mross. Der demografische Wandel mag den Trend unterstützen, da es immer mehr Patchwork-Familien gibt und immer weniger traditionelle Großfamilien, die unter einem Dach leben.

 

Furcht vor Erbstreitigkeiten, der Wunsch nach exakter Umsetzung des letzten Willens sowie Unerfahrenheit in geschäftlichen Dingen seien weitere Motive, sich an ihn zu wenden, erklärt Mross. Er schließt übrigens keine beiderseitigen Verträge mit seinen Kunden. Die können den Vollstrecker jederzeit wieder aus dem Testament löschen und müssen ihn darüber nicht informieren.

 

Erhält Stefan Mross dann doch vom Amtsgericht eine offizielle Mitteilung, dass er tätig sein soll, muss er als Erstes den Nachlass sichern. Dazu nimmt er Hausschlüssel an sich und lässt im Zweifelsfall sogar die Schlösser austauschen. Dann stellt der junge Familienvater lange Listen über Mobiliar und Inventar zusammen. Persönliche Dokumente nimmt er dabei zwangsläufig in die Hände. So lernt er viel über Lebenläufe und Schicksale, aber alles unterliegt der "Verschwiegenheitspflicht".

 

Als Mediator ist er ebenfalls gefragt und muss "die Leute runterholen", wenn sich etwa Erben miteinander streiten. "Sie wissen nicht, auf wen Sie treffen", sagt Mross über seine Erfahrungen. Mentalitäten sind verschieden, es kann auch schon mal ein "böser Brief" eingehen, Sachlichkeit ist stets gefragt vom Testamentsvollstrecker.

 

Entfernte Verwandte und Freunde eines Verstorbenen zählen genauso zu seinen Gesprächspartnern wie gemeinnützige Organisationen, die in einem Testament bedacht sein könnten.

 

Bis letztlich Erbschaftssteuer-Erklärungen vorliegen, kann es dauern. Gerade dieser Punkt könne einen Fall in die Länge ziehen, aktuell läuft ein Verfahren seit zwei Jahren, acht Ordner füllen eine Plastikbox neben dem Schreibtisch.

 

Wann wie viel Arbeit auf Mross zukommt, weiß er nie. Vielleicht sterben in einem Jahr vier Kunden und dann jahrelang keiner. Ein Honorar erhält der Testamentsvollstrecker erst, wenn er nach einem Todesfall in Aktion tritt, in der Regel werde ein fester Anteil von der Erbschaft fällig bei abnehmenden Prozentsätzen, wenn die Gesamtsummen steigen. "Das ist allemal billiger als ein langwieriger Erbstreit vor Gericht", findet Stefan Mross.

 

 

 

 

Stefan Mross

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